2014

Zur Kasse gebeten wie kommerzielle Nutzer

Uwe Wöller vom Ruppiner Radsportclub findet es krass, für eine eineinhalb stündige Veranstaltung auf dem Schulplatz zahlen zu müssen
In die Gastgeberrolle geschlüpft: Nach der Premiere 2013 luden der Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität, der RRC, der Landes- und Kreis-Sportbund sowie der Tourismusverband Ruppiner Land zum zweiten Mal Zweiradfans aus Nah und Fern zur Ausfahrt ein.

Neuuruppin (RA) "Wir fühlen uns rundum wohl und möchten der Stadt mal Danke sagen", lobt Torsten Nagel vom Ruppiner Radsportclub (RRC) die Hilfe bei der Suche und dem Beziehen des neuen Domizils der Radballer. Die Sportler um Torsten Nagel mussten im vorherigen Jahr aus der maroden Rosenhalle weichen, trainieren und spielen seitdem in der Sporthalle der Karl-Liebknecht-Schule. Ein wenig anders sieht Uwe Wöller von den Radwanderern des RRC die Zusammenarbeit mit der Kreisstadt. Für den Fahr'Rad!-Tag vor eineinhalb Wochen muss der RRC etwa 180 Euro Gebühren bezahlen, um den Schulplatz für diese Veranstaltung zu nutzen.

Vereinschef: Uwe Wöller ist Radwanderer.

Wöller, der gleichzeitig auch Vereinsvorsitzender ist: "Das können wir nicht nachvollziehen: Das Gewerbetreibende wie Fahrgeschäfte auf dem Martinimarkt Standgebühren zahlen, ist okay. Aber wir verdienen nicht einen Cent mit dem Fahr'Rad!-Tag." Diese Mehrbelastung hemmt die Vereinsarbeit wie das Zuschalten des Dynamos am hellichten Tag eine Radfahrt.

Mehr als einhundert Teilnehmer zählte der 105-jährige Sportverein bei der zweiten Auflage des brandenburgweit bedeutenden Treffens. "Zehn neue", strahlt Uwe Wöller, "die nun bei den Radwanderern im Club bleiben." Auch die Radballer erfreuen sich laut Nagel wachsenden Interesses - ein Ergebnis der verbesserten Trainingsbedingungen.

Kassierer: Torsten Nagel spielt Radball.

Dabei ist Radball ein kostspieliges Hobby: Für ein aufpoliertes 22er Kinderrad müssen etwa 1200 Euro investiert werden. "Verständlich", so Torsten Nagel, "dass die Eltern die Nase rümpfen bei dieser Investition. Daher sind wir richtig froh, den Junioren Räder stellen zu können. Aber das klappt nur durch Sponsoren oder durch das Selbsthandanlegen nach dem Motto: 'Aus drei mach eins'. Unsere Mittel sind bescheiden."

Daher treffe die Gebührensumme (80 Euro an die Stadt, 20 fürs Beschallen, 66 für die Inkom, 10 für den Landkreis) den RRC hart. Umgerechnet sind das vier Speichen-Sätze. Torsten Nagel wird mulmig, wenn er an eine andere Belastung denkt, die die Sportler noch in diesem Jahr trifft: Für die Hallennutzung muss der Verein an den Rechtsträger (die Stadt Neuruppin) etwa 600 Euro pro Jahr zahlen.

"Das können wir nur mit dem Anheben des Beitrages aufbringen", blickt der Kassierer und Materialwart auf eine schwierige Mitgliederversammlung voraus. Entscheidend sei in der Jugend (etwa die Hälfte des Beitrages) weiterhin so intensiv von den Erwachsenen getragen werde, "sonst rennen sie uns weg", befürchtet Torsten Nagel. Er geht davon aus, dass voll zahlende RRC-Mitglieder 120 Euro zahlen müssen - das wäre ein Anstieg von 50 Prozent.

Schwarz malen gilt jedoch nicht beim in Fahrt kommenden RRC. "Wir werden mehr und mehr ein Familienverein", sagt der Vereinschef. "Nur könne auch die Politik einen Beitrag leisten, um dies anzuerkennen. Die Gebühr für den für Neuruppin Image bringenden Fahr'Rad!-Tag finde ich immer noch echt krass. Wir hatten den Bürgermeister eingeladen und gingen beim an uns adressierten Schreiben von seiner Antwort aus. Stattdessen war es ein dicker Brief mit zahlreichen Anträgen. Ich bin gespannt, wie sich die Parteien am Donnerstag zum Sport positionieren."

© Matthias Haack