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Zur Kasse gebeten wie kommerzielle Nutzer

Uwe Wöller vom Ruppiner Radsportclub findet es krass, für eine eineinhalb stündige Veranstaltung auf dem Schulplatz zahlen zu müssem

In die Gastgeberrolle geschlüpft: Nach der Premiere 2013 luden der Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität, der RRC, der Landes- und Kreis-Sportbund sowie der Tourismusverband Ruppiner Land zum zweiten Mal Zweiradfans aus Nah und Fern zur Ausfahrt ein.
Vereinschef: Uwe Wöller ist Radwanderer.

Neuuruppin (RA) Wir fühlen uns rundum wohl und möchten der Stadt mal Danke sagen", lobt Torsten Nagel vom Ruppiner Radsportclub (RRC) die Hilfe bei der Suche und dem Beziehen des neuen Domizils der Radballer. Die Sportler um Torsten Nagel mussten im vorherigen Jahr aus der maroden Rosenhalle weichen, trainieren und spielen seitdem in der Sporthalle der Karl-Liebknecht-Schule. Ein wenig anders sieht Uwe Wöller von den Radwanderern des RRC die Zusammenarbeit mit der Kreisstadt. Für den FahrRad!-Tag vor eineinhalb Wochen muss der RRC etwa 180 Euro Gebühren bezahlen, um den Schulplatz für diese Veranstaltung zu nutzen.

Wöller, der gleichzeitig auch Vereinsvorsitzender ist: "Das können wir nicht nachvollziehen: Das Gewerbetreibende wie Fahrgeschäfte auf dem Martinimarkt Standgebühren zahlen, ist okay. Aber wir verdienen nicht einen Cent mit dem FahrRad!-Tag." Diese Mehrbelastung hemmt die Vereinsarbeit wie das Zuschalten des Dynamos am hellichten Tag eine Radfahrt.

Mehr als einhundert Teilnehmer zählte der 105-jährige Sportverein bei der zweiten Auflage des brandenburgweit bedeutenden Treffens. "Zehn neue", strahlt Uwe Wöller, "die nun bei den Radwanderern im Club bleiben." Auch die Radballer erfreuen sich laut Nagel wachsenden Interesses - ein Ergebnis der verbesserten Trainingsbedingungen.

Dabei ist Radball ein kostspieliges Hobby: Für ein aufpoliertes 22er Kinderrad müssen etwa 1200 Euro investiert werden. "Verständlich", so Torsten Nagel, "dass die Eltern die Nase rümpfen bei dieser Investition. Daher sind wir richtig froh, den Junioren Räder stellen zu können. Aber das klappt nur durch Sponsoren oder durch das Selbsthandanlegen nach dem Motto: 'Aus drei mach eins'. Unsere Mittel sind bescheiden.

Kassierer: Torsten Nagel spielt Radball.

Daher treffe die Gebührensumme (80 Euro an die Stadt, 20 fürs Beschallen, 66 für die Inkom, 10 für den Landkreis) den RRC hart. Umgerechnet sind das vier Speichen-Sätze. Torsten Nagel wird mulmig, wenn er an eine andere Belastung denkt, die die Sportler noch in diesem Jahr trifft: Für die Hallennutzung muss der Verein an den Rechtsträger (die Stadt Neuruppin) etwa 600 Euro pro Jahr zahlen.

"Das können wir nur mit dem Anheben des Beitrages aufbringen", blickt der Kassierer und Materialwart auf eine schwierige Mitgliederversammlung voraus. Entscheidend sei in der Jugend (etwa die Hälfte des Beitrages) weiterhin so intensiv von den Erwachsenen getragen werde, "sonst rennen sie uns weg", befürchtet Torsten Nagel. Er geht davon aus, dass voll zahlende RRC-Mitglieder 120 Euro zahlen müssen - das wäre ein Anstieg von 50 Prozent.

Schwarz malen gilt jedoch nicht beim in Fahrt kommenden RRC. "Wir werden mehr und mehr ein Familienverein", sagt der Vereinschef. "Nur könne auch die Politik einen Beitrag leisten, um dies anzuerkennen. Die Gebühr für den für Neuruppin Image bringenden FahrRad!-Tag finde ich immer noch echt krass.

Wir hatten den Bürgermeister eingeladen und gingen beim an uns adressierten Schreiben von seiner Antwort aus. Stattdessen war es ein dicker Brief mit zahlreichen Anträgen. Ich bin gespannt, wie sich die Parteien am Donnerstag zum Sport positionieren."

© Matthias Haack


Getrübtes Vergnügen

VEREINSLEBEN Hallen-Kündigung überschattet 1000-Euro-Gabe vom Privatradio

Es hätte ein schönes Fest für die Neuruppiner Radballer werden können. Die Zukunft sieht für den Verein trotz Geldsegens wenig rosig aus.

Die Raballer und -wanderer des Ruppiner Radsportclubs stellten sich mit Benni vom BB-Radio zu wohl einem der letzten Gruppenfotos dieser Art in der alten Rosenhalle.
Radio-Benni, selbst eher Fußballer, versuchte sicht recht erfolgreich auf dem ungewohnten Radballer-Rad ohne Brense, unterstützt von RRC-Finanzwart Joachim Kröning.
Den echten Scheck über 1000 Euro nahm RRC-Vorsitzender Uwe Wöller von BB-Radio-Frau Kerstin Ahlburg entgegen.

NEURUPPIN | Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahm am Montag Nobert Schliebner, Chef der Radballer vom Rupppiner Radsportclub, seinen Anteil an den 1000 Euro entgegen, die soeben Benni Hantschke und Kollegin Kerstin Ahlburg per Mega-Scheck-Formular symbolisch in die Rosenhalle getragen hatten. Der Ruppiner Radsportclub hatte sich beim Wettbewerb "Scheine für Sport-Vereine" des BB-Radios beworben und war aus dem Lostopf gezogen worden (MAZ berichtete). Allerdings lag am Montag schon die Kündigung für das Radsportdomizil an der Rosenstraße seitens der Stadtverwaltung vor.

"Zum 31. August sollen wir hier raus", sagte Melanie Hoppe, Pressesprecherin des Vereins. Die Stadt wolle wohl kein Geld mehr in die Halle stecken, in die seit Jahrzehnten nicht mehr investiert wurde. Ein Umzug in eine andere Halle sei sehr schwer, sagtTorsten Nagel, der sich bei den Radballern um den Nachwuchs kümmert und selbst aktiv in den Radball-Ligen des Landes in die Pedale tritt. "Wir haben sehr viel Material", so Nagel, der Platzbedarf ist sehr hoch. In der Woche nach Ostern sollen sich alle Beteiligten nun an einen Tisch setzen und eine Lösung möglichst im Sinne des Vereins suchen, der nunmehr seit über 50 Jahren in der Rosenhalle aktiv ist.

Während die Vereinsverantwortlichen am Rande des eigentlich freudigen Events düster in die Zukunft blickten, versuchte sich Radio-Moderator Benni auf ungewohntem Terrain. "Wo ist denn hier die Bremse", fragte der, bevor er sich in Bewegung setzte und den einen oder anderen Zuschauer zum Ausweichsprung nötigte. Eine Bremse ist bei Radball-Rädern genauso wenig vorgesehen, wie bei einem Einrad, das RRC-Finanzwart Kröning aus dem Lager holte und den Radio-Mann nötigte, nun auch dieses Gefährt einmal auszutesten. Wie man es richtig macht, das führte Kröning selbst ehemaliger Radballer, den verblüfften Gästen vor.

© Dirk Becker